Der freie Markt solle es schaffen, Gerechtigkeit, Wohlstand und eine nachhaltige Lebensweise global herzustellen. Haben erst unsere Weltkonzerne weltweit mit ihrem System der extensiven Produktion den letzten Winkel erreicht, werde…

Der freie Markt solle es schaffen, Gerechtigkeit, Wohlstand und eine nachhaltige Lebensweise global herzustellen. Haben erst unsere Weltkonzerne weltweit mit ihrem System der extensiven Produktion den letzten Winkel erreicht, werde sich automatisch ein nachhaltiges Überleben auf diesem Planeten ergeben. Die Wahrheit sieht offenbar anders aus. Aber, was sollen wir tun? (http://www.taz.de/Kolumne-Die-eine-Frage/!102565/).

 

Intelligenz ist die Fähigkeit, eine Harmonie mit der „Mitwelt“ herzustellen.

Der Mensch zeichnet sich in der Evolution dadurch aus, dass er fähig ist, Gemeinschaft herzustellen und durch Kommunikation mit anderen Lebewesen sein „Bewusstsein“ zu erweitern. Oder anders gesagt: Auf sich allein gestellt ist der Mensch nicht überlebensfähig. Die Evolution zwang ihn, sich mit anderen Menschen zusammenzuschließen, um überleben zu können. Um diese Gemeinschaftsleistung zu perfektionieren, entstand die Sprache, als Kommunikationsinstrument, welches es wiederum ermöglichte, die „Gehirne der Menschen zusammenzuschalten“. Dieses „Internet“ aus mehreren einzelnen Menschen macht ein Überleben möglich. Ein einzelnes Kind, allein auf einer Insel aufwachsend wird sich nicht von einem Affen unterscheiden, nicht in der Lage sein, ein besonderes Bewusstsein zu entwickeln. Erst der Austausch mit anderen Kindern lässt in jedem einzelnen ein stetig wachsendes Bewusstsein entstehen. Das „Selbstbewusstsein“ ist dann die Summe der gemeinsam gemachten und kommunizierten Erfahrungen. Je vielfältiger diese Erfahrungen sind, desto reichhaltiger ist dann jedes einzelne Bewusstsein.

Auf diese Art haben Menschen über Millionen Jahre, auf ihrem Weg als Nomaden, Erfahrungen mit der sie umgebenden Welt gemacht, wie sie am besten den Erhalt ihrer Art sicher stellen können. Sie haben dabei diese „Mitwelt“ in ihr Denken und Fühlen mit einbezogen und damit eine nachhaltige gemeinsame Existenz ermöglicht. Diese alten Erfahrungen sind noch in jedem heutigen Gehirn gespeichert, als Erinnerung an einen „paradiesischen Zustand“ eines harmonischen Zusammenlebens inmitten der umgebenden Natur. Innerhalb der umherziehenden Gruppen herrschte eine natürliche „Demokratie“, eine anarchistische Ordnung.

 

Der Sündenfall der „Erfindung der Konkurrenz“

Das Verlassen des „Paradieses“ war die Schaffung eines eigenen Gartens. Wie auch immer verschiedene Religionen den Sündenfall beschreiben mögen, es geht dabei immer um den Moment, in dem „Privateigentum“ über das Wohl der Gruppe gestellt wird. Als vor etwa 10000 Jahren Menschen anfingen, sich nicht mehr allein aus dem Angebot des „Gartens Eden“ zu ernähren, sondern anfingen Felder anzulegen, und diese gegen die nun nicht mehr als Mitwelt empfundene Natur abzugrenzen, begann eine Entwicklung, die in dem heute herrschenden globalen Wirtschaftssystem mündet. Von nun an war es das Ziel, das Eigentum zu sichern und zu mehren und möglichst viel damit zu „erwirtschaften“. Statt immer nur so viel der Natur zu „entnehmen“, wie an einem Ort „im Angebot“ war und sodann weiter zu ziehen – worauf die Natur sich erholen konnte – wird nunmehr an einem Ort verharrt und dieser oft weit über Gebühr ausgebeutet. Gleichzeitig wird der „Besitz“ mit allen Mitteln gegen jeden Eindringling verteidigt. Es entsteht eine Denkweise, die darauf baut, dass allein möglichst viel Besitz ein nachhaltiges Überleben sicher stellt.

Da der jeweilige Landwirt natürlich nicht all das allein aufzehren kann, was er auf seinem Besitz erntet, kann er damit andere Menschen ernähren, die wiederum kein Ackerland brauchen, sondern sich anderweitig beschäftigen können. Der Landbesitzer wird so automatisch zu einem „Ernährer“ einer immer größer werdenden Zahl von Menschen, deren Wohlergehen von ihm, seinem Ernteerfolg abhängt. Am Ende entscheidet die Fähigkeit, möglichst viele Menschen mit Nahrung versorgen zu können, über die „Macht“ eines „Landbesitzers“. Diese Macht, darüber entscheiden zu können, wer Hunger leiden muss und wer nicht, bestimmt bis heute die Geschicke auf unserem Planeten. Jean Zieglers aktuelles Buch: „Wir lassen sie verhungern“ führt den Lesern dieses Grundproblem erneut eindringlich und erschütternd vor Augen.

 

Eine Milliarde Hungernde sind ein zu hoher Preis

Noch nehmen viele Menschen ungläubig zur Kenntnis, dass eine Milliarde Menschen, ein Teil unserer „Gruppe“ also dem Hungertode geweiht sind, jeder Siebte von uns. Gleichzeitig sind nicht mehr allein die „Entwicklungsländer“ hoffnungslos überschuldet, sondern auch die hoch entwickelten Industriestaaten. Andererseits besitzen eine Handvoll Menschen so viel Vermögen, dass sie damit alle Schulden auf dieser Welt sofort begleichen könnten. Letztlich stellt sich ohnehin die Frage, wie es überhaupt zu einer derartigen „Verschuldung“ kommen kann.

Dieses gesamte Chaos scheint eine harmonische, nachhaltige Entwicklung für uns Menschen unmöglich zu machen. Viele Menschen denken, dass erst einmal diese akuten Probleme beseitigt werden, irgendwann möglichst alle Staaten so wohlhabend sein müssen, wie die Industriestaaten, bevor man sich den Luxus einer nachhaltigen Entwicklung leisten könne.

Die Realität wiederlegt diesen Irrglauben an jedem Tag und doch schmerzt es noch nicht genug, um endlich die Verhältnisse zu ändern. Wir müssen nur zu der Erkenntnis zurückfinden, dass die Beseitigung des Konkurrenzdenkens die Lösung des Problems ist. Wir sind in den letzten 10000 Jahren zurückgefallen auf das Niveau einer Herde von Schimpansen, wo jeder Affe bemüht ist, seine Bananenstaude gegen die anderen zu verteidigen. Wir glauben dabei den Beteuerungen dieses verlogenen Kollegen, dass jeder so einen Arm voll Bananen finden könne, wenn er sich nur genügend bemühe. Während er uns dieses Märchen erzählt, faulen die Bananen in seinen Armen, weil er sie allein gar nicht rechtzeitig verzehren kann. Unsere intelligenten Vorfahren, die Bonobos hätten den Bestand an Bananen längst unter allen Anwesenden aufgeteilt.

 

Champagner macht keine Rotweinflecken (http://www.geissens.de/).

Das Gebaren der Familie Geissen wird von Millionen Zuschauern ungläubig, aber meist doch fasziniert beobachtet. Dieses ist derartig asozial, aber wie ein winkender Lottogewinn, eine scheinbare Chance, sich aus einem Getto zu befreien, dass diese Familie inzwischen allein durch ihre Fangemeinde ihr prolliges Leben führen kann.

Derartige Auswüchse, die von jedem sozialen Gedanken weit entfernt sind, sind kein Beweis dafür, dass allein Frechheit und skrupelloser Egoismus erstrebenswerte Eigenschaften sind. Sie dokumentieren im Gegenteil die Hilflosigkeit der Menschen und die Erkenntnis, dass Bewusstsein allein aus Erfahrungen entsteht. Die Welt, die in manchen Medien vermittelt wird, hat nichts mit diesem Planeten gemein.

Eine kollektive Reise, als Helfer in einige der Flüchtlingslager und der Hungergebiete würde alle Beteiligten und die Zuschauer auf eine andere Ebene der Wahrnehmung bringen. Es braucht offenbar jeweils ein Erfahrung des Grauens, um den Menschen die Realität des Kollaps´ bewusst zu machen. So geheilt ist ziemlich sicher anzunehmen, dass diese Menschen sich darauf zusammenschließen werden, um „Ordnung“ zu schaffen.

 

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824393,00.html

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/02/Mensch-Individuum-Selbstbewusstsein/seite-2

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