Wie unsere Kinder zu Zuckerjunkies werden und was wir dagegen tun können

In meinem letzten Artikel über die legale Droge Zucker habe ich es schon erwähnt: Kinder essen durchschnittlich ca. 50kg Zucker pro Kopf und Jahr – und damit mehr als wir Erwachsene! Mich hat das so schockiert, dass ich mehr wissen wollte und weiter recherchiert habe.

Zucker liefert außer einer geballten Ladung schnell verfügbarer Energie (=Kalorien) keine wertvollen Inhaltsstoffe. Ein Zuviel davon schlägt sich schnell auf den Hüften nieder, fördert Übergewicht und ist damit ein bedeutsamer Risikofaktor für alle Krankheiten die damit einher gehen (Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen etc.). Kinder sollten je nach Alter zwischen 25g und 45g Zucker essen (maximal, mit 3 Jahren ca. 25g, mit 6 Jahren 35g, mit 10 Jahren 45g) 

Egal ob Bio-Kinderkekse, Kinderjoghurt oder Kinderriegel – überall versteckt sich viel mehr Zucker als man denkt, oft gut getarnt. Die Zutaten müssen in der Zutatenliste in absteigender Reihenfolge angegeben sein – sprich: die erste Zutat ist in der höchsten Menge enthalten usw. Nun haben die Hersteller aber einen einfachen Trick gefunden: verwendet man verschiedene Zuckerarten in geringen Dosen, scheinen diese später in der Liste auf und fallen nicht so auf. Rechnet man dann allerdings alle diese Zuckerarten zusammen, ist Zucker oft die Hauptzutat. 

Hinter diesen Bezeichnungen versteckt sich der Zucker

Saccharose, Fructose, Dextrose, Glukose, Laktose, Maltose – alles mit der Endung -ose ist ziemlich sicher Zucker.
Auch „Sirup“ ist immer Zucker – Invertzuckersirup, Glucosesirup, Reissirup, Ahornsirup…
Eine andere häufig verwendete Bezeichnung ist Maltodextrin.

Die Fructose scheint in der obigen Liste auf – vielen kennen sie auch unter Fruchtzucker. Viele Hersteller weichen bei Kinderprodukten auf sie aus, Fruchtzucker klingt zumindestens gesund. Der Fruchtzucker im Obst ist unbedenklich, da Obst außerdem viele lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe etc. enthält und in der Natur vorkommt. Künstlich hergestellte Fructose wird aber ganz anders verwertet und hat einen anderen Stellenwert für den Körper – sie ist in hohen Dosen genauso schädlich wie anderer Zucker (Siehe auch hier).

So viel Zucker steckt in Kinderprodukten

Gerade Kinderprodukte sind oft besonders unausgewogen in der Zusammensetzung. Einer Studie von Foodwatch zufolge, enthalten Frühstücksflocken, die speziell für Kinder vermarktet werden, im Mittel 50% mehr Zucker als Erwachsenen-Produkte. (rund 30g auf 100g). Besonders hoch ist der Zuckeranteil bei Kinderprodukten von Aldi und Nestlé – genauso viel wie in Kuchen oder Torten. 

Doch nicht nur Frühstückscerealien sind überzuckert: auch vermeintlich gesunde Vollkornkekse, Müsliriegel, Fruchtjoghurts, Milchprodukte, Getränke etc. Durch Vollkorncerealien auf der Verpackung oder anderen gesunden Assoziationen, wird den Eltern (und Kindern) vorgegaukelt, das Produkt sei gesund. Zusätzlich werden oft Comicfiguren oder Tiere verwendet, um die Produkte bei den Kindern interessant zu machen.

Die so oft als „gesunde Jause mit viel Milch“ beworbene Kindermilchschnitte enthält zum Beispiel fast 30% Zucker (und fast ebensoviel Fett). In einer Schnitte stecken somit je ca. 8g Zucker. Danone hat den Zuckeranteil in den beliebten Fruchtzwergen zwar schon gesenkt – allerdings nur von 14 auf knapp 13%. Ein „Duo“ Becher enthält somit immer noch ca. 4 Stück Würfelzucker. Der Zott Monte Drink wird mit gesundem Traubenzucker beworben, er eigne sich hervorragend als Zwischenmahlzeit. Der Zuckergehalt: 13%, etwa 8 Stück Würfelzucker – und somit sogar mehr als die gleiche Menge Cola. 

Alternativen für Süßigkeiten für Kinder

Kinder essen gerne Süßes – das ist schon so vorprogrammiert, die Muttermilch schmeckt süß und wir fühlen uns dadurch einfach geborgen. Es gibt aber in der Natur so viele süße Nahrungsmittel, das wir gar nicht auf industriell hergestellte zurückgreifen müssen. Obst zum Beispiel, alle Sorten. Ein bunter Obstteller ist auch noch etwas fürs Auge, man kann auch Figuren legen mit dem Obst, das Internet liefert hier unzählige Vorlagen. Auch manche Gemüsesorten schmecken süß, mein Sohn liebt zum Beispiel Erbsen, Mais und gekochte Karotten. Und eines seiner ersten Worte war „Datti“ für Dattel, weil wir beide immer gemeinsam die (sehr) süßen Medjool Datteln essen.

Um Gebäck oder Haferbrei zu süßen eignen sich am besten Ahornsirup und Honig. Beide enthalten zusätzlich zum Zucker auch noch einige Nährstoffe und sie sind (in der richtigen Qualität) am wenigsten industriell verarbeitet.

Es ist also möglich Kindern weniger Zucker zu geben, man muss einfach ein bisschen die Etiketten lesen und immer Alternativen bei der Hand haben. (Nun heißt es nur noch die Großeltern im Zaum zu halten ;-))

Quellen:
http://www.urbia.de/magazin/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-kinder-essen-zu-viel-zucker
http://wienerin.at/home/lieben/1564619/Naschen_Wie-viel-Zucker-durfen-Kinder-essen
http://www.foodwatch.org/uploads/media/2012-12-10_Vergleich_Kinder-Erwachsenen-Fruehstuecksflocken_final_01.pdf
http://www.berlin.de/special/gesundheit-und-beauty/ernaehrung/1047482-215.gallery.html?page=1

Bilder/Fotograf: Ulrike Göbl

ulli goeblUlrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform und hat 2015 auch ein Kochbuch  zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

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