Werner Lampert, der Bio-Pionier schlechthin, spricht über die nächsten Herausforderungen für die Bio-Landwirtschaft.

Das Prinzip „Bio“ ist inzwischen etabliert und wird angenommen, woran Sie maßgeblich beteiligt waren. Wenn Sie zurückblicken – was ist gut gelungen, was weniger gut?

Es gibt heute einen rechtlichen Rahmen, der dafür sorgt, dass es eine hohe Sicherheit gibt. Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drinnen. Diese Rechtssicherheit ist gut gelungen, darauf können alle stolz sein!

Zwei Problemkreise sehe ich:
1. Bei der Verarbeitung und bei den Hilfsmitteln sollten die Möglichkeiten enger gefasst werden. Die Verarbeitung muss transparent gestaltet werden, denn Konsumentinnen und Konsumenten sollen Einblick in die Herstellung ihrer Lebensmittel erhalten dürfen.
In der Bio-Produktion sind sogar E-Nummern gestattet, und auch der Zusatz von Enzymen. Sogar im Bio-Anbau sind Hilfsmittel wie das bienengefährdende Insektizid Spinosad zugelassen. Bei Prüf Nach! und Zurück zum Ursprung ist das nicht erlaubt.

2. In puncto Biodiversität im tierischen Bereich liegt noch viel Arbeit vor uns. Beispielsweise werden Rinderrassen immer industrialisierter und nur noch auf Leistung gezüchtet. Angesichts des Klimawandels, der unaufhaltsam auf uns zukommt, ist es wichtig sich alter Rassen zu besinnen. Diese sind widerstandsfähiger.

In einem Interview meinten Sie kürzlich, dass heute finanzielle Anreize für viele Landwirte wichtiger sind als die Leidenschaft für gute Qualität. Inwiefern wird das dann zum Problem für die KonsumentInnen? Und gibt es Lösungsansätze?

Ohne persönliche Überzeugung ist keine ernsthafte und zukunftsfähige Bio-Arbeit zu leisten. Es zählt immer das persönliche Engagement des Einzelnen. Bei Bio kommt es immer auf den Einzelnen an. Ob jemand mit Überzeugung Bio-Landwirtschaft betreibt hängt übrigens nicht mit der Größe des Betriebes zusammen – ein Freund baut auf ein paar hundert Hektarn Fläche seit 1982 biologisch an. Umgekehrt gibt es kleine Bio-Bauern, die ganz schrecklich mit ihren Tieren umgehen und ihren Hof nicht im Griff haben.

Wenn jemand zu Ihnen sagt „Lassen’s mich mit dem Bio-Zeug in Ruhe, das ist doch alles nur Lüge“ – was antworten Sie diesem Menschen?

Solche Menschen muss man vor sich selbst schützen. Destruktivität ist lebensbedrohend. Bio ist ja nicht einfach nur eine Mode, ein Zeitgeist – das sind Dinge, die sich schnell wieder ändern können. Vielmehr ist Bio-Landwirtschaft Teil einer größeren Wende, zu der uns die Bevölkerungsexplosion und der Klimawandel zwingt.

Wo liegen die nächsten Herausforderungen im Bio-Bereich, sowohl für Unternehmen als auch KonsumentInnen?

Wie zu Beginn schon ausgeführt: Wir müssen vollkommen andere, neue Zugänge zur Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln finden und wir brauchen eine andere Haltung zu den Tieren. Das ist in den nächsten Jahren zu leisten und wird Bio wieder auf die Überholspur bringen.

Mehr aktuelle Beiträge rund um das Thema Nachhaltigkeit findet man auch im Blog von Werner Lampert.

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