Bislang galten unterschiedliche Temperaturniveaus als Auslöser für die Entstehung von Winden. Eine neue Theorie sieht die Regenwälder als Herz eines Systems, das den ganzen Erdball mit Wind und Wasser versorgt.

Wie entsteht Wind? Temperaturunterschiede spielen dabei die entscheidende Rolle, nahm die Meteorologie bisher an. Kalte Luft sinkt ab und drängt die wärmere Luft nach oben. Vielleicht ist diese Erklärung aber ein wenig zu einfach gestrickt? Wäre es nicht möglich, dass die Winde, die für die Zirkulation in der Atmosphäre verantwortlich sind, vor allem durch die Kondensation von Feuchtigkeit entstehen? Dieser Vorgang läuft zu einem großen Teil über Regenwäldern ab, wo Wasser verdampft bzw. von den Bäumen als Transpiration abgegeben wird. Wissenschafter, die die zweite Theorie vertreten, gehen vom Verschwinden der Winde aus, sollten die Regenwälder zur Gänze abgeholzt werden – Regen würde es dann auch nicht mehr geben. Laut Wissenschaftlern wie der russischen Meteorologin Anastasia Makarieva wurde das von Regenwäldern erzeugte Druckgefälle bisher nicht ausgiebig genug untersucht. Die Abholzung der Wälder hat demnach die Trockenheit in küstenfernen Gebieten verstärkt. Die Monsunwinde im Sommer bringen zum Beispiel Feuchtigkeit aus den Meeren, aber an den Küstengebieten fehlen die Bäume, die den Regen aufnehmen und durch Verdunstung neue Wolken erzeugen, wodurch das Wasser weiter ins Landesinnere transportiert wird. Wälder generieren nach der Theorie von Makarieva und anderen Meteorologen einen regelmäßigen Regen jenseits der Küstengebiete und fungieren auch weltweit als Windmaschinen. Der physikalische Prozess ist dabei nicht umstritten. Wenn Wasserdampf kondensiert und dabei Tropfen formt, wird das Volumen reduziert und damit der Druck gesenkt. Luft kann somit eindringen und Wind entsteht. Allerdings war dieser Vorgang für die meisten Klimawissenschaftler bisher belanglos. Laut Makarieva und ihren Berechnungen, erzeugt die Kondensation von Milliarden von Litern Wasser über den Regenwäldern hingegen einen riesigen Effekt. Ihr Modell beschreibt die Regenwälder als einen gewaltigen Mechanismus, der das weltweite Wettergeschehen bestimmt. Kritik an der Theorie gibt es seit der ersten Publikation vor rund vier Jahren. Die Implikationen des neuen Verständnisses wären enorm. In der Standard-Theorie würde der Regen in den inneren Regionen der Kontinente bei der kompletten Abholzung der Regenwälder um 10 bis 30 Prozent abnehmen. Die Theorie von Makarieva und Co. geht von einem Rückgang von mindestens 90 Prozent aus. Der gute Effekt: Würden die Regenwälder wieder neu bepflanzt und ausgebaut, so die Theorie, dann würden die erzeugten Winde den Regen auch in die wasserärmsten Regionen zurückbringen. Die Sahara war vor rund 6.000 Jahren schließlich eine üppige Sumpflandschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*